Vorbereitung auf Aktionen
Lege schon am Tag vor der Aktion die Dinge, die Du mitnehmen willst, bereit. Vielleicht musst Du die Wanderschuhe oder den Regenmantel aus dem Schrank kramen? Und wo ist nur die Thermoskanne?
Gleichzeitig räumst Du alles aus Deinen Taschen, das Du NICHT mitnehmen willst:
- Tierabwehrspray: RAUS!
- Taschenmesser und alles andere, das als Waffe oder Werkzeug mißdeutet werden kann: RAUS!
- Kalender, Notitzbuch und sonstige Papiere, die Du nicht unbedingt brauchst: RAUS!
- Das Piece und die großen Blättchen etc. aus dem Tabaksbeutel: UM HIMMELS WILLEN RAUS!
Folgende Dinge solltest Du bei Dir haben:
- Personalausweis oder Reisepass
- ggf. dringend benötigte Medikamente
Um Dich auch unter widrigen Bedingungen gut fühlen zu können, solltest Du folgendes mitnehmen:
- gute Schuhe, in denen Du schnell und weit laufen kannst
- eine wasserdichte Jacke, falls Niederschlag und Wasserwerfereinsatz nicht sicher ausgeschlossen sind
- einen Rucksack mit Hüft- oder Bauchgurt, der auch beim rennen fest am Körper anliegt
- Getränke für den ganzen Tag, jedenfalls Mineralwasser o.ä., bei Kälte auch heisser Tee in einer Thermoskanne
- Nahrungsmittel für den ganzen Tag
Das klingt so leicht und selbstverständlich. Dennoch treffen wir auf nahezu jeder Aktion auf Leute, die nichts zu trinken dabei haben (und sich auch nicht in der Lage sehen, selber etwas zu besorgen) und die von unserem persönlichen Wasservorrat trinken wollen. Soweit möglich, helfen wir aus - aber so etwas wäre vermeidbar.
Damit Du anderen (und auch Dir selbst noch besser) helfen kannst, sind folgende Dinge nützlich:
- noch mehr Getränke
- ein Erste-Hilfe-Set (mehr dazu weiter unten)
- eine Augenspülflasche (mehr dazu weiter unten)
- Papier und Stift für ein Gedächtnisprotokoll
Ob Du noch folgendes mitnehmen willst, bleibt Dir überlassen:
- Trillerpfeife oder sonstiges Lärmgerät - vielleicht auch ein Musikinstrument?
- Fotoapparat / Videokamera - Deine Aufnahmen könnten aber beschlagnahmt und gegen Deine MitstreiterInnen verwendet werden.
In der Ruhe liegt die Kraft / ohne Mampf kein Kampf
Vermeide schon am Tag vor der Aktion Alkohol und andere Drogen. Gehe früh schlafen, auch wenn Du vielleicht vor großen Aktionen das Gefühl hast, noch das eine oder andere recherchieren zu wollen oder einfach nur voller Erwartung bist und nicht müde wirst. Denke daran, dass Du Deinen Protest fit und ausgeschlafen weit besser auf die Strasse bringen kannst und dabei länger durchhalten und mehr Spass haben wirst.
Auch das klingt so leicht und selbstverständlich...
Stehe etwas früher auf, damit Du gemütlich frühstücken und Dich rechtzeitig auf den Weg machen kannst. Manchmal werden Menschen auf dem Weg zu Aktionen von der Polizei kontrolliert, was einige Zeit dauern kann. Vielleicht willst Du darum auch nicht alleine gehen, sondern gemeinsam mit anderen Menschen - das ist besonders wichtig, wenn es per Bahn zu Aktionen gegen Naziaufmärsche geht, denn auch die Nazis fahren häufig mit dem Zug.
Deine persönliche Erste-Hilfe-Ausstattung
Gut und billig soll sie sein!
Aber was heißt gut?
Wir werden, mit einer einzigen
Ausnahme, bewußt auf Empfehlungen zu Medikamenten verzichten, da
hier für den Patient und somit auch für den Helfer erhebliche
Gefahren lauern:
-
Kopfschmerzen nach einem Knüppelhieb
behandelt mensch NICHT mit Aspirin...
-
DEIN Asthmaspray kann bei jemensch
ANDEREM lebensbedohliche Herzrhytmusstörungen verursachen....
-
Keine Betaisodona-Salbe (Jod!)
bei Schildrüsenüberfunktion und auch nicht in Kombination mit
Octenisept oder Mercuchrom...
-
und so weiter!
Also, liebe Leute, Vorsicht!
Auch wir als "Profis" überlegen es uns genau, ob wir z.B. bei Kopfschmerz
nicht erst mal das Heilpflanzenöl rausholen oder zu trinken, zu essen oder zu ruhen empfehlen, anstatt
gleich mit Aspirin oder Paracetamol zuzuschlagen.
Für die Behandlung der
üblichen Verletzungen auf Demos und Aktionen brauchst Du aber die
folgenden Dinge, die praktisch nebenwirkungsfrei und leicht anzuwenden
sind:
Teil 1 (ganz normales Verbandmaterial)
-
2 Verbandpäckchen (Österreich: Momentverband) "mittel" oder "groß"
- 2 bis 6 Wundauflagen aus Polypropylenvlies, 10x10 cm (möglichst einzeln, maximal zu zweien verpackt)
- 1 Verbandtuch aus Polypropylenvlies, 40x60 cm
-
1 oder 2 elastische
Binden 8 cm breit
-
1 elastische
Binde 6 cm breit
- 1 oder 2 Dreiecktücher
-
1 aluminiumbedampfte
Wärmeschutzfolie ("Rettungsdecke")
-
1 Heftpflaster
von der Rolle, 2,5 cm breit, 5 m lang
- 4 Streifen Wundschnellverband
6x10 cm ("Pflaster")
- 1 Verbandschere
- 6 Einmalhandschuhe
Unser Tip: Teilt man den Inhalt eines normalen Kfz.-Verbandkastens "B" (DIN 13164) so gerecht wie möglich auf zwei Demo-Verbandsets auf, so hat man ein komplettes Set und ein weiteres, in dem - nimmt man die jeweils als Minimum genannten Mengen als Grundlage - nur noch Verbandschere, Rettungsdecke, Heftpflasterrolle und Einmalhandschuhe fehlen.
Teil 2 (was ausserdem sinnvoll ist)
-
1 OCTENISEPT
Wunddesinfektionsspray (50 ml)
- 1 Päckchen
Traubenzucker oder vegane Schokolade (Sorten mit Zartbitter sind meistens OK)
- einige kleine Mülltüten
- 1 oder 2 Päckchen
Papiertaschentücher
-
1 Augenspülflasche 0,5 oder
0,65 l
-
Kleine Taschenlampe mit Ersatzakkus
(oder verwendest Du etwa noch Batterien?)
-
Schreibzeug (kleiner Block und
Stift)
-
Faserschreiber (z.B. Edding)
Sterilprodukte
tragen lediglich ein Fabrikationsdatum und können bei sorgfältiger
Aufbewahrung (Vorsicht bei Nässe!) lange Zeit verwendet werden. Bei
den selbstklebenden Wundschnellverbänden und dem Rollenpflaster solltest
du von Zeit zu Zeit prüfen, ob nicht die Klebekraft nachgelassen hat:
Das passiert, je nach Qualität, ganz von selbst nach einigen Jahren
oder auch sehr schnell bei zu warmer Aufbewahrung.
Infos zu den einzelnen
Gegenständen
Die Verbandschere
- In den handelsüblichen
Verbandkästen finden sich meist sehr schlechte Scheren. Wenn Du
eine hast, probiere sie an Mullbinden und verschieden dicken Stoffstücken
aus.
- Wenn Du LinkshänderIn
bist, wirst Du wahrscheinlich eher im Schreibwarenhandel als im Sanitätshaus
fündig.
- Achte unbedingt darauf, dass die Schere am Ende, wie eben bei Verbandscheren üblich, einen Knauf hat. Damit verringerst Du die Gefahr, dass Dir die Schere als Stichwaffe ausgelegt wird.
Die Augenspülflasche

- Professionelle Augenspülflaschen mit Wannenaufsatz gibt
es in verschiedenen Größen, hauptsächlich mit 0,50 oder
0,65 Liter Inhalt. Welche Du wählst, ist eine Gewichts- und Platzfrage.
Wir empfehlen die etwas kleinere und damit leichtere Ausführung, weil Du
sonst vielleicht irgendwann keinen Bock mehr hast, das blöde Ding
ständig mit Dir herumzuschleppen.
- Gegenüber normalen Trinkflaschen
oder auch den oftmals anzutreffenden Labor-Spritzflaschen haben "echte" Augenspülflaschen
deutliche Vorteile: Aus Trinkflaschen ist nur ein Übergießen
des betroffenen Auges von oben möglich - besonders im Winter übel,
wenn sich der Patient nicht auf den kalten Boden legen soll und darum das
kalte Wasser auf die Klamotten bekommt. Außerdem besteht bei unvorsichtiger
Anwendung die Gefahr, auch das andere Auge mit der kontaminierten Spülflüssigkeit
zu schädigen, wenngleich bei CS/CN/OC-Einwirkungen ohnehin meist beide
Augen betroffen sind. Labor-Spritzflaschen
haben eine recht dünne Spitze, die bei Berührung mit dem Auge
Verletzungen hervorrufen kann.
- Fülle Deine Augenspülflasche
vor jeder Aktion neu mit abgekochtem Leitungswasser, dem du pro
Liter 9 bis 10 Gramm Kochsalz hinzufügen kannst.
- Sauber arbeiten! Infektionen
am Auge sind kein Spaß und können Deine ganze Hilfe zunichte machen!
Nach der Aktion mußt Du die Flasche leeren und trocknen, damit sich
in der Zwischenzeit keine Kulturen im Innern bilden können - das geschieht
nämlich verdammt schnell!
Verschiedene Verbandstoffe
- Seit einigen Jahren sind
die altbekannten Wundauflagen aus Mull fast vollständig von Vlieskompressen
mit glatter Oberfläche abgelöst worden. Diese haben zum einen den Vorteil,
Blut und Wundsekret deutlich besser aufzusaugen, und zum anderen weniger an der Wunde festzukleben.
- Grundsätzlich gilt:
Nichtklebende Kompressen zur Wundabdeckung!
Heftpflaster
- Alle kennen das gute, alte
braune Leukoplast, das zwar nicht das billigste, aber dafür gut und
überall zu haben ist. Wer Allergikern etwas Gutes tun möchte,
kann auf das nochmals etwas teurere weiße Leukosilk umsteigen. Normalerweise
werden aber alle heute verwendeten Pflasterklebstoffe der hochwertigen
Marken von den Patienten gut vertragen.
- Es ist wichtig,
daß das Heftpflaster gut von Hand reißbar ist. Meist wird dies
durch lauter kleine Zacken am Rand erreicht. Fehlen diese, mußt du
prüfen, ob sich trotzdem ohne Schere Stücke abreissen lassen.
- Besonders wenn Du billiges
Pflaster z.B. aus dem Autoverbandkasten verwendest, prüfe es alle
paar Monate oder am besten vor jeder Aktion auf seine Klebekraft! Hitze macht aber auch das beste Pflaster fertig.
Die "Rettungsdecke"

- Die mit Aluminium beschichtete,
extrem dünne Plastikfolie der Größe 220x160 cm reflektiert
etwa 70 - 80% der vom Körper abgegebenen Wärmestrahlung und konserviert
so die Körpertemperatur des Patienten. Sie bietet aber keinen Schutz
gegen Wärmeleitung, ist also nicht als Liegematte geeignet - hier
mußt Du, wenn der Patient länger auf kaltem Boden liegen muß,
Jacken, Wolldecken, Isomatten oder ein großes, dickes Stück
Karton besorgen.
- Falls Du auch mal Skifahren
oder sonstwie in die Pampa gehst, nimm auf jeden Fall die Ausführung
mit einer goldfarbenen Außenseite, die in der Natur einfach auffälliger
wirkt als ein silber-weißer Lichtreflex. Dein Glück: Das ist
auch die handelsübliche Sorte.