Notwendige Selbsthilfe

Demosanitäter haben - wenn auch unter anderem Namen - lange Tradition. Als sich 1888 in Köln die Arbeiter-Samariter zusammenschlossen, ging es zunächst noch um die Erste Hilfe bei den damals aufgrund der schlechten Sicherheitsvorkehrungen sehr häufigen Arbeitsunfälle. Ein medizinischer Rettungsdienst existierte nicht, ärztliche Behandlung war für die Arbeiter kaum bezahlbar. Als es XXXX anläßlich XXX zu Straßenkämpfen kam, unterstützte der Arbeiter-Samariter-Bund die Aufständischen mit medizinischer Betreuung. Dabei kamen zahlreiche Samariter selbst zu Schaden, einige ließen im Dienst ihr Leben.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde neben den christlichen Hilfsorganisationen auch der Arbeiter-Samariter-Bund verboten und hinsichtlich der materiellen Werte zumeist dem Deutschen Roten Kreuz einverleibt, ein Vorgehen, an dessen Folgen die später neu gegründeten Kolonnen bis heute zu tragen haben. Gleichwohl hat der ASB als Organisation sein parteiisches Eintreten für die Interessen der Arbeiterschaft inzwischen eingestellt, wenn auch einige Samariter, denen an dieser Stelle herzlich gedankt sei, die Arbeit der Demosanitäter weiterhin im Verborgenen unterstützen - ebenso, wie manche sie zu behindern versuchen.

Bei den Massenprotesten Anfang bis Mitte der achtziger Jahre wie dem Widerstand gegen den Ausbau der Startbahn 18 West am Flughafen Frankfurt am Main oder - erfolgreich - gegen den Bau der sogenannten "Wiederaufarbeitungsanlage" für hochradioaktive Abfälle im bayerischen Wackersdorf kam es immer wieder zu teilweise äusserst gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bürgern. Von der bitteren Notwendigkeit einer leistungsfähigen Medizinstruktur zeugen die unzähigen Berichte von häufig schwer verletzten Demonstranten aus dieser Zeit und nicht zuletzt die beiden Toten des Sommers 1985 in Wackersdorf, Alois Sonnleitner, der an einem durch Kampfstoffe der Polizei ausgelösten Asthmaanfall starb, und Erna Sielka, die nach einer Knüppelorgie der Polizei einem Herzinfarkt erlag. Zuvor war neben der demostrierenden Bevölkerung auch der Sanitätsbereich des Roten Kreuzes trotz der in ihrer Deutlichkeit nicht zu überbietenden Kennzeichnung gezielt aus Polizeihubschraubern heraus mit Tränengasgranaten beschossen worden.

Bilder aus dieser Zeit belegen die auch aus heutiger Sicht und erst recht für die damalige Zeit als hochprofessionell anzusehende Arbeitsweise der damaligen Demosanitäter.

Auch als am 28. September 1985 Günter Sare anlässlich einer Demonstration gegen die NPD in Frankfurt am Main von der Polizei mit einem Wasserwerfer überfahren und tödlich verletzt wurde, versuchten unter anderem Mediziner der "BI gegen Flughafenerweiterung" Erste Hilfe zu leisten. Dabei wurden sie von der Polizei zunächst aktiv behindert und auch später nicht unterstützt. Als erst nach 20 Minuten ein Notarztwagen eintraf, war Günter Sare bereits tot.

Seit dem Erlass des "Vermummungsverbots" im Jahr 1989 ging die Intensität der Auseinandersetzungen in Deutschland stetig zurück. Auch die Demosani-Gruppen verloren an Mitgliedern und an medizinischem Anspruch. Der "Bundesverband der Demosanitäter" stellte seine Arbeit ein, einzelne neue Projekte blieben nur eine begrenzte Zeit lang aktiv.

Erst die zweite Renaissance der Anti-Atom-Bewegung gegen Ende der neunziger Jahre, deren Kristallisationspunkt die Atommülltransporte im Jahr 1996 nach Gorleben und 1998 nach Ahaus waren, brachte neue Anstöße für die Demosani-Szene, die gerade bei den Gorleben-Transporten auf bis zu einhunderfünfzig aktive Helfer anwuchs. Dennoch gab es kaum feste Gruppen, eine adäquate Vernetzung fand nicht statt.

Gleichzeitig begannen einige Personen aus den Überresten der früheren "autonomen" Demosanigruppen, die wenigen neu entstandenen Strukturen öffentlich zu diskreditieren, indem sie eine Abkehr von deren moderater politischer Haltung sowie dem teilweise professionellen medizinischen Ansatz forderten. Im Gegenzug kritisierten die neueren Gruppen an den noch bestehenden Zusammenhängen deren Ablehnung eines medizinischen Anspruchs, die sich gelegentlich auch in falschen Empfehlungen zur Ersten Hilfe zeigte.

Gelegentlich kam es trotz dieser Differenzen zu erfolgreichen gemeinsamen Einsätzen "autonomer" und " ...

Die wegen dieser Konflikte nur langsam fortschreitende Vernetzung führte erst 2005 zu greifbaren Ergebnissen.

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